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Periöken

Während Sparta im Morgendunst erwacht, hämmern und klirren bereits fleißige Hände in den umliegenden Siedlungen. Die Periöken, weder freie Bürger noch Sklaven, sondern geschickte Handwerker und tüchtige Händler, beginnen ihren Tag zwischen Feuer, Eisen und Ton. Schmiede formen glänzende Klingen, Töpfer drehen kunstvolle Gefäße, Kaufleute feilschen lebhaft am Marktstand – stets unter dem wachsamen Auge Spartas. Sie genießen bescheidene Freiheiten und Wohlstand, aber politische Stimme bleibt ihnen fremd. Ihre Hände erschaffen die Stärke Spartas, doch Ruhm und Ehre im Kampf sind anderen vorbehalten. Willkommen in der Welt der Periöken, der stillen Säulen, auf denen Spartas Macht ruht. Doch wer waren die Periöken genau und welche Rolle haben sie in Sparta gespielt? Nachfolgend erfährt man mehr.

Was waren die Periöken?

Im antiken Sparta bildeten die Periöken eine eigene Volksgruppe. In der Hierarchie der Polis Sparta gehörten die Periöken der zweiten Gruppe des Klassensystems an. In der Hierarchie waren die Periöken demzufolge den Spartiaten untergeordnet. Diese Position einzunehmen bedeutete für die Angehörigen dieser Volksgruppe, nicht dem Status eines Vollbürgers gleichgestellt zu sein. Den Periöken war es insofern nicht gestattet, an der Apella (Volksversammlung) teilzunehmen oder sich auf andere Weise an den politischen Entscheidungen in der Polis Sparta zu beteiligen. Diese zwei Faktoren vermitteln ein besseres Verständnis der Abgrenzung zwischen den Spartiaten und den Periöken.

Rechte und Pflichten der Periöken in der spartanischen Gesellschaft

Trotz der Einteilung in mehrere Klassen waren die Periöken im antiken Griechenland dennoch nicht frei von Rechten. Im Vergleich zur dritten Klasse der Heloten galten die Periöken als frei und nicht als Eigentum des Staates Sparta. Diese Freiheit ging so weit, dass es dieser Volksgruppe sogar gestattet war, ihre Gebiete autonom zu verwalten. Die Befolgung spartanischer Gesetze erfolgte in einem limitierten Rahmen. Eine der dortigen Verpflichtungen sah die Bereitschaft zum Kriegsdienst für männliche Periöken vor. Den Spartiaten stand es zudem frei, zu bestimmen, welcher Teil der männlichen Bevölkerung der Periöken die Voraussetzungen zum Kriegseinsatz erfüllte.

Geografische Abgrenzung zu den Spartiaten

Die Trennlinie zwischen beiden Volksgruppen lässt sich auch auf einer geografischen Ebene nachvollziehen. Übersetzt in die deutsche Sprache lautet der Name Periöken „Umwohnende“ oder „außen herum Wohnende“. Dem heutigen Weltbild würde diese Bezeichnung in etwa der Trennung zwischen einer Großstadt und den umliegenden Ortschaften entsprechen. Innerhalb ihrer Ansiedlungen war es den Periöken gestattet, Land als Eigentum zu besitzen und zu bewirtschaften. Im Gegensatz zu den Heloten waren auf dem Gebiet der Periöken keine spartanischen Truppen stationiert. Trotz der Unterschiede in der Vergabe von Bürgerrechten war das Verhältnis der Periöken zu den Spartiaten eher als nachbarschaftlich zu bezeichnen.

Ursprung der Periöken

Den Ursprung der Periöken an einem Ereignis festzumachen, lässt bis heute Spielraum zur Spekulation offen. Im Laufe der Zeit und der Zunahme an archäologischen Funden haben sich mehrere Theorien entwickelt.

Die bekannteste Therorie

Die erste Theorie stellt die Vermutung an, dass die Periöken vor der Gründung Spartas dem Volk der Dorer angehörten. Bestärkt wurde diese Vermutung durch die Funde von Schriftstücken, deren Sprache Eigenheiten enthielten, die dem dorischen Dialekt zuzurechnen sind. Die Dorer selbst sprachen von ihrem Volk nach der Gründung der Polis Sparte im Allgemeinen als Lakedaimonier. Diese Bezeichnung geht auf Lakedaimon zurück, der als Halbgott bzw. Heros von der antiken Bevölkerung verehrt wurde. Der Theorie zufolge haben sich die Dorer in unterschiedliche Gruppen unterteilt, aus denen schlussendlich die Spartiaten und Periöken hervorgingen.

Eine alternative Ursprungsgeschichte

Die zweite Theorie beschäftigt sich mit der Annahme, dass während der Eroberung der Region des später gegründeten Spartas die damalige Bevölkerung nicht komplett getötet oder vertrieben wurde. Die Annahme geht davon aus, dass die Periöken aus der Gruppe dieser Personen hervorgegangen sein könnten. Für diese zweite Theorie gibt es jedoch deutlich weniger Anhaltspunkte und Beweise als für die Entstehungsgeschichte aus dem Volk der Dorer.

Wie lebten die Periöken?

Das Leben der Periöker während der Herrschaft der Spartiaten war von mehr Vielfalt geprägt, als es der Blick auf das Klassensystem vermuten ließ. Das gilt sowohl im Hinblick auf die gesellschaftliche als auch die berufliche Entwicklung dieser Volksgruppe. Beide Aspekte werden nachfolgend ausführlicher beleuchtet.

Die sozialen Schichten innerhalb der Gesellschaft

Die autonome Selbstverwaltung und der überschaubare Einfluss der Spartiaten auf die gesellschaftliche Entwicklung beflügelten die Bildung unterschiedlicher sozialer Schichten. Als Kennzeichen dieser verschiedenen Gesellschaftsstrukturen dienten entweder Grundbesitz oder Vermögen. Landbesitz galt als eine der Voraussetzungen, um einen Platz in der Oberschicht zu erhalten. Am anderen Ende dieser Skala befanden sich Periöker, die kein Land besaßen und somit auf andere Art und Weise ihren Lebensunterhalt erwirtschaften mussten.

Berufe der Periöken

Die berufliche Entwicklung der Periöken gründete sich im Wesentlichen auf drei Eckpfeilern. Dazu gehören:

Landwirtschaft

Das von den Periöken bewirtschaftete Land befand sich in deren Grundbesitz. Einen festen Steuersatz auf die Ernte gab es vonseiten der Spartiaten nicht. Den Periöken war es demnach erlaubt, mit der Landwirtschaft nicht nur die Versorgung sicherzustellen, sondern darüber hinaus Gewinne zu erzielen. Einige Berichte aus dieser Zeit lassen sogar die Vermutung zu, dass die Spartiaten einzelnen Periöken Heloten zur Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen zur Verfügung stellten.

Handel

Die direkte Nähe zum Meer führte dazu, dass die Periöken ebenfalls in den Handel involviert waren. Einige Gemeinden der Periöken verfügten zu diesem Zweck über kleinere Häfen, die den Vertrieb mit weiter entfernten Handelspartnern erlaubten. Die Fähigkeit, Schiffe zu navigieren, war einer der Gründe, aus denen die Periöken in Kriegszeiten von den Spartiaten bevorzugt mit der Leitung von Kriegsschiffen beauftragt wurden. Die im Handel erwirtschafteten Gewinne wurden ebenfalls von den Spartiaten nicht durch hohe Steuern oder Abgaben beschlagnahmt. Der Handel galt daher neben dem Grundbesitz, als eine Option, persönlichen Reichtum anzusammeln.

Handwerk

Die dritte Option, den Lebensunterhalt zu sichern, stellte das Handwerk dar. Dazu gehörten das Baugewerbe ebenso wie Berufe, die der Produktion von Gebrauchsgütern dienten. Die Verdienstmöglichkeiten im Handwerk richteten sich nach der Nachfrage, sodass Handwerker im Vermögensaufbau etwas hinter den Landbesitzern und Handeltreibenden zurücklagen.

Quellen und Verweise



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