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Spartiaten

Im Morgengrauen hallt das rhythmische Klirren von Bronze durch die Gassen Spartas. Junge Spartiaten, kaum älter als sieben Jahre, rennen barfuß durch den Staub, ihre Gesichter hart und unbeugsam. Hinter den Mauern dringt das Echo kämpferischer Gesänge hervor, während ältere Krieger ihre Speere schärfen und Schilde polieren, die Körper von Narben gezeichnet, stolz auf jeden Hieb, der ihren Mut bezeugt. In Sparta ist der Krieg kein Zustand, sondern ein Lebensweg; jeder Atemzug, jeder Herzschlag widmet sich der Kunst, stark, gehorsam und furchtlos zu sein. Willkommen in der Welt der Spartiaten, wo Tapferkeit das höchste Gut, Freiheit ein Privileg und Aufgeben undenkbar war.

Doch spiegelt dieses Klischee, der Spartiaten als antike Kampfmaschine, wirklich die Lebenswirklichkeit der damaligen Bürger des antiken Spartas wider? Nachfolgend wollen wir tiefer in das damalige Leben und Wirken der Spartiaten eintauchen.

Wer waren die Spartiaten?

Spartiaten war der Name von Vollbürgern aus der Polis Sparta im antiken Griechenland. Eine Polis stand für Regionen oder Stadtverbände, welche sich durch ihre politische Unabhängigkeit auszeichneten. Die Epoche der Spartiaten überdauerte mehrere Jahrhunderte. Als Beginn gilt die Gründung der Polis Sparta ca. 900 v. Chr. und das Ende erstreckt sich über einen zwei Jahrhunderte andauernden Niedergang. Ab ca. 140 v. Chr. galten die Spartiaten als weitgehend irrelevant für die Ausübung der Vorherrschaft in der Region.

So stellt man sich die Spartiaten vor und so werde sie auch in Ubisofts Discovery Tour Ancient Greece dargestellt.
So stellt man sich die Spartiaten vor und so werde sie auch in Ubisofts Discovery Tour Ancient Greece dargestellt.

Geografisch eingebettet war Sparta in die Landschaft von Lakonien, am südlichen Rand des Landes. Das Stadtgebiet entstand größtenteils am Ufer des Flusses Eurotas. Diese Lage und konstante Wasserversorgung stellten insbesondere für die Landwirtschaft in der Region einen Vorteil dar. Begrenzt wurde der Stadtstaat durch das Taygetos-Gebirge. Dessen bis zu 2.400 Meter hohen Berge gewährten den Spartiaten einen zusätzlichen Schutzwall vor Angriffen.

Wie lebten die Spartiaten?

Die Lebensweise der Spartiaten prägt bis heute den Wortursprung eines spartanisch geführten Lebens. Im Fokus standen die Loyalität zum Staat Sparta und dessen militärische Verteidigung. Im Gegensatz zu anderen Volksgruppen, die im gleichen Zeitraum lebten, galt das Hauptaugenmerk der Spartiaten dem Erhalt der regionalen Machtposition. Ein Ausbau des Herrschaftsgebiets erfolgte aufgrund dieser Einstellung nur in eng umfassten Grenzen. Um die Lebensweise der Spartiaten besser zu verstehen, ist es unerlässlich, die folgenden zwei Eckpfeiler der Gesellschaft zu kennen.

Das bestehende Klassensystem

Die Spartaner lebten über mehrere Jahrhunderte in einem intakten Klassensystem, bestehend aus drei Volksgruppen:

Spartas soziale Hierarchie
Spartas soziale Hierarchie

1. Klasse - Bürger

Die Rolle der herrschenden Klasse war den Spartiaten selbst vorbehalten. Die Hauptaufgabe dieser Klasse bestand aus der Sicherstellung der politischen Ordnung im Staat sowie seiner militärischen Verteidigung.

2. Klasse - Periöken

Die zweite Klasse bestand aus den Periöken, welche im Umland der Polis Sparta lebten. Diese Volksgruppe setzte sich aus freien Personen zusammen, die neben der Landwirtschaft ebenfalls hauptverantwortlich für den Handel und das Handwerk waren. Bürgerrechte standen den Periöken nicht zu, wodurch diese ebenfalls kein Anrecht hatten, an politischen Entscheidungen beteiligt zu sein.

3. Klasse - Heloten

Die dritte Klasse bildeten die Heloten. Diese Volksgruppe hatte weder den Status von Landeigentümern noch Bürgern inne. Die Heloten galten als Staatseigentum der Polis Sparta und mussten als Leibeigene unter anderem in der Landwirtschaft arbeiten oder Hausarbeiten verrichten.

Die politische Grundstruktur

Die politischen Entscheidungen in Sparta wurden von den Vollbürgern getroffen. Dazu gehörten männliche Spartiaten, welche die militärische Ausbildung erfolgreich durchlaufen hatten. Die vollumfänglichen Bürgerrechte erhielten Spartiaten frühestens ab dem 30. Lebensjahr. Frauen besaßen in der Polis Sparta keine Bürgerrechte und damit einhergehend kein politisches Mitspracherecht.

Die Rechte eines spartanischen Vollbürgers sind in gewisser Hinsicht mit den Rechten eines heutigen Wählers vergleichbar. Die Vollbürger bildeten insofern die Basis für das politische System. Darauf aufbauend waren mehrere Institutionen an den zu treffenden politischen Entscheidungen beteiligt. Dazu gehörten:

Zwei Könige

An der Spitze des politischen Systems in Sparta stand das Doppelkönigtum. Die Ernennung eines Königs reicht nicht bis auf die Anfangsstadien der Polis Sparta zurück. Erst 300 Jahre nach der Gründung tauchen in historischen Dokumenten die ersten Hinweise auf eine Änderung im politischen System auf. Die Wahl der zwei Könige erfolgte auf Lebenszeit. Das Hauptaufgabengebiet der Könige bestand in der Leitung des Heeres sowie der Ausarbeitung von Strategien und Entscheidungen im Kriegsfall.

Saßen so die beiden Könige nebeneinander und entschieden Spartas Zukuft?
Saßen so die beiden Könige nebeneinander und entschieden Spartas Zukuft? Zumindestens in Ubisofts Discovery Tour Ancient Greece findet man sie so vor.

Fünf Ephoren

Die Ephoren bestanden aus fünf Mitgliedern, denen dieses Amt jeweils für ein Jahr verliehen wurde. Die gewählten Ephoren gehörten im politischen System Spartas zu den wichtigsten Entscheidungsträgern. Ihre Beteiligung erstreckte sich auf innenpolitische Entscheidungen ebenso wie die Mitbestimmung militärischer Planungen.

Die fünf Ephoren in Sparta.
Die fünf Ephoren in Sparta. Aus Westermanns Monatshefte, Band 11 (1861-62), S. 48. von Ludwig Löffler.

Die Gerusia (Der Ältestenrat)

Der Ältestenrat in Sparta bestand aus Vollbürgern, die zuvor Mitglied der Volksversammlung gewesen sein mussten. Die Mitglieder der Gerusia wurden auf Lebenszeit gewählt. Um für die Wahl in den Ältestenrat in Betracht zu kommen, mussten die Kandidaten mindestens 60 Jahre alt sein. Die Anzahl der Mitglieder der Gerusia bestand in der Regel aus 28 Personen. Der Aufgabenbereich der Gerusia erstreckte sich unter anderem auf die Ausarbeitung von Gesetzesvorschlägen.

Die Apella (Die Volksversammlung)

Die Mitglieder der Volksversammlung setzen sich aus allen männlichen Spartiaten zusammen, die mit Erreichen des 30. Lebensjahres über ihre vollen Bürgerrechte verfügten. Die Apella führte Wahlen für den Ältestenrat und die fünf Ephoren durch. Weiterhin war das Recht vorhanden, über Gesetzesvorschläge abzustimmen. Eigene Gesetzesvorschläge einbringen und zur Wahl stellen durften die Mitglieder der Apella dagegen nicht.

Wie wurden die Spartiaten erzogen?

Die Erziehungsprinzipien der Spartiaten basierten auf einem engmaschigen Konstrukt aus Regeln und den damaligen Moralvorstellungen. Im Mittelpunkt stand das Fortbestehen des Staates, weshalb Kampfkünste und körperliche Fitness die Grundpfeiler der Erziehung bildeten. Ein Grundverständnis für die Erziehung von Kindern in der Polis Sparta lässt sich am einfachsten mit der getrennten Betrachtung von Jungen und Mädchen gewinnen.

Erziehung von Jungen

Jungen verblieben bis zum 7. Lebensjahr im Haushalt der Eltern. Die Erziehung übernahmen bis zu diesem Zeitpunkt entweder die Mütter oder Bedienstete. Mit Erreichen des 7. Lebensjahres begann die staatliche Erziehung außerhalb des Elternhauses, welche auch als Agoge bekannt war.

Die Agoge kennzeichnete den Zeitpunkt im Leben eines Jungen, ab dem die Loyalität zum Staat und die Zugehörigkeit zum Militär den Mittelpunkt der eigenen Existenz bildeten. Teile der Ausbildung, die bis zum 19. Lebensjahr andauerte, bestanden aus dem Erlernen des Umgangs mit Waffen sowie verschiedenen Kampfkünsten. Des Weiteren wurden die Kinder und Jugendlichen konstant abgehärtet, um äußerlich immun gegen Faktoren wie Hunger, Durst, Erschöpfung oder Schmerzen zu sein.

Mit 20 Jahren stiegen männliche Spartiaten offiziell in die Reihen des Militärs auf. Die Mitglieder der einzelnen Truppen verbrachten einen Großteil ihrer Zeit zusammen und bildeten sogar Speisegenossenschaften, die durch die Syssitia geprägt waren. Die täglich eingenommenen gemeinsamen Mahlzeiten dienten der Verstärkung des Gemeinschaftsgefüges innerhalb der Truppen.

Erziehung von Mädchen

Weibliche Kinder erlebten die gesamte Erziehungszeit im Haushalt der Eltern. Der Staat legte jedoch Wert auf die Stärkung der körperlichen Fitness. Die Ausübung von Sport im Kindesalter sollte einen positiven Effekt auf die körperliche Entwicklung ausüben. Frauen waren zwar nicht an militärischen Einsätzen beteiligt, sollten jedoch möglichst starke und gesunde Kinder gebären.

Junge Frau aus Sparta - Bild von Jean-Baptiste-Camille Corot (Französisch, 1796 - 1875)
Junge Frau aus Sparta - Bild von Jean-Baptiste-Camille Corot (Französisch, 1796 - 1875)

Diese Lebensweise der Spartiaten führte dazu, dass das Heiratsalter in Sparta zur damaligen Zeit als ungewöhnlich hoch galt. Junge Frauen heirateten oftmals erst nach dem Erreichen des 20. Lebensjahres. Als Ehepartner kamen damals in erster Linie Männer ab einem Alter von 30 Jahren in Betracht. Als beste Heiratskandidaten galten Männer, die den Status als Vollbürger bereits innehatten.

Quellen und Verweise



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